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10. Grundstück und Gebäude – Suche, Auswahl, Sicherung und Kauf

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Dr. Harald Mollberg,
Forum Gemeinschaftliches Wohnen e.V.

10.1.Gründe für eine Wohnortveränderung und Auswahl eines Grundstücks

Im Laufe der Zeit verschieben sich Anforderungen an den Wohnort durch persönliche und gesellschaftliche Entwicklun­gen, die möglicherweise zum Zeitpunkt der ursprünglichen Entscheidung für einen Wohnort noch nicht vorhersehbar waren. Vor 20 Jahren etwa  hat sich kaum jemand Gedanken dar­über gemacht, dass durch unsere Ressourcenverschwendung Energiekosten exor­bitant steigen könnten.
Je älter wir werden, desto geringer wird unser Aktionsradius und umso wichtiger werden Entscheidungen für den richtigen Wohnort. Bitte lesen Sie in diesem Zu­sammenhang auch das Kapital „Gemeinwesen - Sozialplanung", welches Ihnen Ver­tiefungen zur Bedeutung des Wohnumfelds liefert.
Ihren heutigen Wohnort haben Sie damals mit Bedacht ausgesucht und sich vielleicht Fragen wie diese gestellt:

  • Wie groß ist die Entfer­nung zur Arbeitsstelle?
  • Wie gut sind Versorgungseinrichtungen (Ärzte, Schulen, Ein­richtungen des täglichen Bedarfs) zu erreichen?
  • Wie ist die Anbindung an den ÖPNV?
  • Welche Parkmöglichkeiten gibt es für das private Fahrzeug?
  • Wie schätzen Sie die Emissionen (Geräuschentwicklung, Schadstoffbelastung) ein? Entspricht die Nachbarschaft innerhalb Ihres Hauses und auch außerhalb des Hauses Ihren Vor­stellungen?
  • Und nicht zuletzt, stimmen auch die Kosten des Wohnorts?
  • Ist die Miete der Lage angemessen und sind die mit dem Wohnort verbundenen Transportkosten vertretbar?
 
Damals gaben Sie sich andere Antworten auf die oben genannten Fragen als heute. Sie beruhten damals wie heute auf An­nahmen und auf verfügbaren Rechercheergebnissen.
Bei einem Wohnortwechsel im Jahr 2010 ist zum Beispiel die Energieeffizienz einer Wohnung, im Gegensatz zu früher, zu einem äußerst wichtigen Kriterium herangewachsen. Die sich ändernde Bevölkerungsentwicklung ist mittlerweile ein weiterer zentraler Aspekt geworden.
 
Hinzu kommen bei einem Umzug in Gemeinschaftliches Wohnen weitere wichtige Fragestellungen, die eine zufrieden stellende Antwort verlangen.
Sie treffen eine unternehmerische Entscheidung, denn Sie investieren in eine „unsichere" Zukunft und erwarten sich von Ihrer Entscheidung den Erfolg, den Sie anstreben. Von entscheidender Bedeutung sind die Erreichbarkeit Ihrer Ziele, also nachbarschaftliche Strukturen (gute Gemeinschaft), Zukunftssicherheit und Nachhaltigkeit der Gemeinschaft sowie des gewählten Standorts auch dann, wenn bereits die nächste Generation einzieht. Ihre Entscheidung ist sehr langfristiger Natur! Sie stellt eine Art informale Lebensversicherung dar.
Bedenken Sie auch, wie sich die Einwohnerzahl an dem in Aussicht stehenden Standort entwickeln wird.
  • Wird Ihr Wohnprojekt in zehn Jahren auch noch mitten in der Stadt liegen und attraktiv sein, oder wird es sich wegen abnehmender Bevölkerung bereits in einer Stadtrandlage mit verringerter Infrastruktur befinden?
  • Kann sich beispielsweise durch mangelhafte Integration von Migranten ein sozialer Brennpunkt entwickeln?
Die empirica (www.empirica.de ) hat folgendes festgestellt:
Unterschiedliche Lebensphasen führen zu unterschiedlichen Kriterien für die Standortveränderung. Die Gruppe der „alten Jungen" (50 bis 60 Jahre) investiert in aller Regel in eine Verbesserung der Wohnqualität. Eine Standortoptimierung ist wichtig.
  • Bei den „jungen Alten" (60 bis 70 Jahre) geht es oft um Wohnraumanpassung oder Standortoptimierung mit Eigentumserwerb.
  • Die „mittelalten Alten" (70 bis 80 Jahre) werden ihre ver­traute Umgebung altersgerecht anpassen oder einen Umzug in eine altengerechte Wohnumgebung, die mit Dienstleistung kombiniert ist, vornehmen.
  • Umzüge bei „alten Alten" (80 Jahre und älter) sind in der Regel unfreiwillige Umzüge im Falle von Hilfs-/Pflegebedürftigkeit.
(Quelle: Dr. Marie-Theres Krings-Heckemeier in „Altersgerechtes Wohnen - ein interdisziplinärer Kongress", 10. Bad Vilbeler Gespräch 2007)
 
Die Veränderung des Wohnorts und damit die Aufgabe der gegenwärtig existieren­den Beziehungen wird als risikoreich empfunden und stellt erhebliche Anforderungen an den neuen Wohnort, denn eine Verschlechterung der Lebensqualität wünscht sich niemand.
Gerade ein Umzug im Alter führt zu Fragestellungen wie dieser:
„Ist dieses mein letzter Umzug?"
 
und muss sehr wohl bedacht werden. Dies gilt umso mehr, sofern Sie nicht nur zur Miete umziehen, sondern Eigentum erwerben möchten. Nähere Informationen zur Frage von Miete oder Eigentum beim Wohnortwechsel erhalten Sie unter anderem von der Stiftung Warentest im Ratgeber „Leben und Wohnen im Alter" sowie im Organizer: „Ruhestand ohne Ri­siko" von ZDF Wiso. Die Quellenangaben finden Sie am Ende dieses Beitrags.
 
Jeder Wohnortwechsel, insbesondere aber der, welcher mit Eigentumserwerb ver­bunden ist, stellt eine langfristige Entscheidung dar. Die neuen Perspektiven müssen im Vorhinein abgeschätzt werden können und im besten Fall sollten Nachbesserun­gen möglich sein, die zum Zeitpunkt der Entscheidung nicht vorhersehbar waren. Innerhalb der Wohnung sollten Anpassungsmaßnahmen für das Alter möglich sein, sofern diese nicht schon vorhanden sind. Im Haus sollte die Möglichkeit für einen Fahr­stuhl gegeben sein, sofern er nicht vorhanden ist. Außerhalb Ihres Hauses sollte ein barrierefreier Zugang zur nächsten ÖPNV Haltstelle möglich sein oder geschaffen werden können.
 
Die nachfolgende Grafik, die von der empirica (www.empirica.de )erarbeitet wurde, zeigt die Gründe für einen Umzug nach dem 50. Lebensjahr in Deutschland auf:

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