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11.6 Bauliche Anforderungen für Menschen mit eingeschränkter Mobilität

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11.6.1 Begriffe, DIN Normen und gesetzliche Bestimmungen

Im allgemeinen Sprachgebrauch werden die Begriffe „barrierefrei", „barrierearm", „behindertengerecht", „rollstuhlgerecht", „altengerecht" oder „seniorenfreundlich" sehr unterschiedlich verwendet, was nicht selten zu Missverständnissen führt oder gar bewusst in die Irre leitet.
 
Barrierefrei
Gesetzlich definiert ist lediglich der Begriff „barrierefrei" in § 4 BGG (Behindertengleichstellungsgesetz) wie folgt:
„Barrierefrei sind bauliche und sonstige Anlagen, Verkehrsmittel, technische Gebrauchsgegenstände, Systeme der Informationsverarbeitung, akustische und visuelle Informationsquellen und Kommunikationseinrichtungen sowie andere gestaltete Lebensbereiche, wenn sie für behinderte Menschen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sind."
Eine weiterführende Begriffsdefinition beinhaltete der 2007 vorerst gescheiterte Gelbentwurf der E DIN 18030. Hierin lautete die Definition:
„Barrierefreiheit - Eigenschaft von Gebäuden und anderen baulichen Anlagen, wenn sie für alle Menschen mit und ohne Behinderung in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernisse und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sind." Der DIN-Entwurf unterschied „Rollstuhlbenutzer" und Menschen, die „zeitweise einen Rollstuhl benötigen".
Die bislang gültigen DIN-Normen 18024 und DIN 18025 verwenden die beiden Begriffe „barrierefrei" und „rollstuhlgerecht".
 

Bild:     Barrierefreie Erschließung der Wohnungen über Aufzug und Laubengänge im Dortmunder Wohnprojekt WohnreWIR; Foto: C. Suhan, Archiv Post • Welters; Architektur: Post und Welters
 
 
Rollstuhlgerecht, altengerecht, behindertengerecht, barrierearm u.a.
Die Bewegungsflächen in „Wohnungen für Rollstuhlbenutzer" sind gemäß DIN 18025 Teil 2, 1992-12 so zu berechnen, dass der Rollstuhlfahrer vor- und zurück fahren sowie die Richtung ändern kann, um alle Bedienungsvorrichtungen in seiner Wohnungen erreichen zu können, sprich die entsprechenden Bewegungen ausführen kann.
„Rollstuhlgerechtes Bauen" zielt somit auf Menschen ab, die dauerhaft auf einen Rollstuhl angewiesen sind und hat mit der Bemessung von Bewegungsflächen und der Erreichbarkeit von Einrichtungen zu tun.
Die Vorschriften und Empfehlungen für „Wohnungen für Rollstuhlbenutzer" sind daher in einigen Teilen strenger, d.h. weitergehender, als die in der DIN 18025 Teil 1, 1992-12 für „Barrierefreie Wohnungen". Dies betrifft beispielsweise Türbreiten, die Unterfahrbarkeit von Arbeitsplatten, Herd und Spüle oder die Höhe von Griffen, Schaltern und vieles mehr.
Die Begriffe „altengerecht" und „behindertengerecht" werden inzwischen eher vermieden, da sie oft als diskriminierend empfunden werden und aus werbestrategischer Sicht noch immer negativ besetzt sind.
Die Begriffe „altengerecht" oder „seniorenfreundlich" sind überall sehr unscharf definiert. Die Autoren Edinger, Lerch und Lentze gehen in ihrer Publikation „Barrierearm - Realisierung eines neuen Begriffs" (Stuttgart 2007) sehr detailliert auf die unterschiedlichen Begriffe ein. Deshalb wollen wir an dieser Stelle auf das Buch verweisen.
Den Begriff „barrierearm" benutzen Edinger, Lerch und Lentze für Maßnahmen im Bestand, die sich an die E DIN 18030 anlehnen, jedoch wegen der örtlichen Situation nicht vollständig normgerecht ausgeführt werden können.
 
DIN Normen und landesspezifische Baubestimmungen
Die Planungsgrundlagen, d.h. die baulichen Anforderungen für barrierefreies bauen sind bislang in den DIN-Normen 18024, 1998-01 „Straßen, Plätze, Wege, öffentliche Verkehrs- und Grünanlagen sowie Spielplätze", der DIN 18 024-2, 1996-11 „Öffentlich zugängige Gebäude und Arbeitsstätten" und den DIN-Normen 18025-1 „Wohnungen für Rollstuhlbenutzer" und 18025-2 „Barrierefreie Wohnungen" beschrieben.
Die beiden DIN-Normen 18025-1 und 18025-2 befinden sich seit einigen Jahren in Überarbeitung, bislang jedoch ohne Erfolg. Der Normenausschuss hat nach dem 2007 gescheiterten Entwurf der E DIN 18030 erneut einen Normauftrag erteilt, mit dem Ziel die beiden bisher gültigen DIN-Normen (18024 und 18025) zusammen zu fassen.
Normen, Richtlinien und Empfehlungen beinhalten den aktuellen Stand der Technik und stehen jedermann zur Anwendung frei, ohne zunächst rechtlich verbindlich zu sein. Rechtsverbindlich werden sie durch die Bezugnahme oder Einführung in Gesetze und Verordnungen.
Einige Länder haben die technischen Baubestimmungen des barrierefreien Bauens in ihre Bauordnungen übernommen. Vor allem die DIN 18024 Teil 2 "Öffentlich zugängliche Gebäude" wurde in nahezu allen Bundesländern baurechtlich eingeführt.
Einzelne Bundesländer, wie etwa das Land Nordrhein-Westfalen, regeln über ihre Förderrichtlinien auch, dass grundsätzliche alle öffentlich geförderten Mietwohnungen (im Neubau) barrierefrei gebaut werden müssen.
Daher ist im Einzelfall zu prüfen, welche rechtlichen Bestimmungen bezüglich der Barrierefreiheit für das geplante Vorhaben gelten.
Bei der Planung neuer Gebäude für gemeinschaftliche Wohnprojekte empfiehlt das Forum Gemeinschaftliches Wohnen e.V. stets die Anforderungen der DIN 18025 Teil 2 (Barrierefreie Wohnungen) der Planung zugrunde zu legen, auch wenn die Bauordnung dieses nicht zwingend vorschreibt.
Wird ein Wohnprojekt im Bestand realisiert, ist in der Regel keine DIN-gerechte Ausführung möglich. Dennoch sollte versucht werden, weitestgehende Barrierefreiheit zu erreichen.
Wichtige Hinweise zu aktuellen Entwicklungen sowie Gesetzen und Verordnungen rund um das Thema „Barrierefreiheit" findet man im Internet auf der Seite http://www.nullbariere.de
 

Bilder:   Rollstuhlgerechter Kochplatz in der Gemeinschaftsküche, Abstellplätze für Rollstühle, Rollatoren u.ä. und Ladestation für Elektrorollstühle in der WohnSinn e.G. in Darmstadt. Foto: StadtStrategen

 
 
Bilder: Rollstuhlgerechte Gestaltung der individuellen Bäder in den Wohnungen im HAUS NOAH in Ludwigshafen.
Foto: StadtStrategen
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