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Merkmale für lebenswerte Stadtteile
 
  • Überschaubarkeit des unmittelbaren Wohnumfeldes durch Sicherung des menschlichen Maßstabes (Straßenbreite, Gebäudehöhen, Rhythmus usw.),
  • Bewohnermischung: Vielfältige Wohn- und Eigentümerformen beleben das Quartier und sind gleichzeitig eine Voraussetzung für ein Miteinander von Jungen, Alten, Singles und Familien und anderen Lebensformen (wesentlich: Balance aus Nähe und Distanz finden),
  • Orientierung in der Nachbarschaft und Erlebbarkeit: Sichtbeziehungen und fußläufige Erreichbarkeit zu Funktionen (z.B. der Eckladen, der Gemüsestand, die Kirche, der Kindergarten) bzw. zu besonderen baulichen/natürlichen Elementen (z.B. Plätze, Brunnen, Kunstwerke, der Bouleplatz, die Linde mit „Klönbank" etc.),
  • Sicherheit: baulich (Zustand der Straßen und Wege, Vermeidung von unsicheren Ecken, beängstigenden Durchgängen), technisch: orientierende Beleuchtung, soziale Kontrolle durch gute Nachbarschaft („man kennt sich"),
  • Erreichbarkeit und Mobilität: Prinzipien der „allengerechten" Stadt bzw. „universal Design" bedeutet weitgehende Barrierefreiheit und das Prinzip der „Stadt der kurzen Wege" (Funktionsmischung und Versorgung des alltäglichen Bedarfs vor Ort d.h. Einkauf, medizinische Versorgung aber auch Kultur, Bildung, Wohnen & Arbeiten!),
  • bürgerschaftliches Engagement und Nachbarschaftshilfe erfordert soziale und räumliche Voraussetzungen (z.B. Nachbarschaftstreff, Vereinsräume, inhaltliche und räumliche Kooperationen zwischen Sozialen Trägern, Gewerbe/Dienstleistern, Vereinen und privaten Initiativen.) Mehrfachnutzung von Öffentlichen Bauten z.B. Schulen, Kitas u.a).


 
Merkmale für lebenswerte Architektur
 
  • Gesamtkonzept: Bauweise, Materialen/Baustoffe, Grundriss, Zuordnung der Räume und ihre Proportionen, Orientierung/Belichtung, Haustechnik sowie die Verbindung zum Außenraum werden in einem Gesamtkonzept so miteinander abgestimmt, dass sie die Gesundheit, Harmonie und das geistige und körperliche Wohlbefinden der Bewohner und Bewohnerinnen befördern.
  • Ökologisches Bauen geht über „energiesparendes Bauen" weit hinaus. Es zielt als ganzheitliches Planungs- und Bauprinzip auf die nachhaltige Einsparung und Schonung von natürlichen Ressourcen ab (Erhaltung natürlicher Stoffkreisläufe, Nutzung regenerativer Energien, Ökobilanz unter Betrachtung des Gebäude-Lebenszyklusses, Mobilität und Nutzerverhalten),
  • Baubiologie vertieft den gesundheitlichen Aspekt beim Bauen (Lehre von den ganzheitlichen Beziehungen der Menschen zu ihrer Wohnumwelt),
  • Wohlbehagen und Aufenthaltsqualität: angenehme Raumproportionen und Raumanordnung, Wandöffnungen unter Berücksichtigung der Besonnung und Belichtung im Jahresverlauf, Oberflächenmaterialien und Oberflächentemperaturen, einladende Begegnungsräume,
  • Privatheit: flächensparende, zweckmäßige und ausreichend flexible Grundrisse, die den individuellen Bedürfnissen nach Raumnutzung sowie nach Privatsphäre, Schutz und Geborgenheit gerecht werden,
  • Gemeinschaft: zusätzliche Räume und Flächen mit hoher Aufenthaltsqualität für Gemeinschaft, Kommunikation und gemeinsame Betätigung (bedarfsgerecht, variabel, gut erreichbar),
  • Erschließung, Erreichbarkeit, Mobilität: s.o. „allengerechtes Bauen" und ggf. besondere Bedarfe berücksichtigen (behindertengerecht, Pflegewohnungen)
  • Beteiligung, Betätigung und Verantwortung durch die Bewohner: Transparenz und aktive Teilhabe beim Planen, Bauen und in der Nutzungsphase sind grundlegend für ein selbstbestimmtes Leben und eine langfristige Identifikation mit dem Gebäude, mit dem Wohnumfeld, mit der Hausgemeinschaft und der Nachbarschaft, (Achtung: Überforderungen vermeiden!)
  • naturbezogene Lebensräume durch geeignete Übergänge zwischen Innen und Außen und nutzbare, differenzierte Freiräume (private, gemeinschaftliche, halböffentliche und zumindest Zugänge zu öffentlichen Freiräumen).
 
 
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Gemeinschaftlicher Hof und Laubengangerschließung der WohnreWIR GbR Dortmund; Foto: C. Suhan, Archiv Post • Welters; Architektur: Post und Welters, http://www.post-welters.de/

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Gemeinsame Veranstaltung im sozial-ökologischen Dorfprojekt Allmende Wulfsdorf. Foto: unbekannt; Architektur und Projektsteuerung siehe: http://www.allmende-wulfsdorf.de/projekt.htm

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Im Schnepfenweg in München verwirklichte eine Gruppe von 9 privaten Bauherren das Projekt „Ökologisches Mehrgenerationenwohnen"
in Doppel- und Reihenhaus-bauweise im Eigentum.  Architektur und Foto: Hanno Kapfenberger
 

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Die Gemeinschaft
Lebensgarten Steyerberg (ca. 100 Bewohner) nutzt eine Reihenhaussiedlung aus den 1930er Jahren mit 63 Reihenhäusern. Im Projekt wird intensiv Bildungsarbeit geleistet.
Foto: Declan Kennedy

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Das Projekt Gemeinsam Wohnen von Alt und Jung in Münster-Mecklenbeck  wird seit 1998 von ca. 45 Erwachsenen und 45 Kindern bewohnt. Das Wohnprojekt wurde vom Sozialdezernat der Stadt Münster initiiert. Foto: WohnBund-Beratung NRW GmbH

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In der Wohnhaus e.G. in Weimar entstanden 1997 eine enge Nachbarschaft mit 26 Gartenhofhäusern und 80m² Gemeinschaftsräumen. Architektur: Schettler & Wittenberg in AG mit Prof. Stamm-Teske;
Foto: Antje Heise

 

11.1.4.    Wohnprojekte und neue Kooperationen

In Anbetracht dieses umfangreichen Potenzials, das in privat initiierten Wohnprojekten stecken kann, wachsen zunehmend das Interesse und die Unterstützungsbereitschaft der großen Akteure und Entscheidungsträger in Gemeinden, Kommunen oder Regionen. Stadtverwaltungen, Politik, Soziale Träger aber auch die Wohnungswirtschaft und das Finanz- und Immobilienwesen könnten noch weit mehr verantwortungsbewusste Förderung in diesem Bereich leisten. Immer öfter übernehmen diese Akteure auch eine aktive Rolle bei der Entwicklung von Gemeinschaftlichen Wohnprojekten z.B. als Eigentümer, Investor, Vermieter oder bei der Bewirtschaftung.
Wenn alle Beteiligten, einschließlich der Projektgruppe selbst, ehrliches Interesse, ausreichende Kenntnis und Vertrauen in einen dynamischen Partizipationsprozess mitbringen, können alle Beteiligten langfristig profitieren. Ein konstruktiver Dialog zwischen kommunaler Politik, Verwaltung, Projektinitiatoren und Wohnungswirtschaft ist der erste Schritt in eine neue Planungs- und Wohnkultur.

Bilder:
Das persönliche Engagement und Interesse des Oberbürgermeisters der Stadt Regensburg Herr Schaidinger trug zum Gelingen des
Wohnprojektes „Zusammen leben" im Regensburger Stadtteil Burgweinting bei.
Foto: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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