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11.1 Potenziale für Lebensräume

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Ulla Schauber, Ulrike Jurrack, Stadtstrategen

11.1.1.    Qualitätsmerkmale von Baukultur

„Die Entstehung gemeinschaftsorientierter Wohnformen kann man als Strategie zur Bewältigung der mit dem gesellschaftlichen Strukturwandel verbundenen Probleme verstehen." (Fedrowitz, Zusammen Wohnen S. 32)
 
Mit der „Initiative Architektur und Baukultur" wurde im Jahr 2000 vom Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen eine öffentliche Diskussion über Qualität in Architektur und Städtebau und darüber, was unter qualitätsvollem Planen und Bauen zu verstehen ist, angestoßen.
 
Im Sinne des nachhaltigen Bauens betrachtet Baukultur gesellschaftliche, soziale, ökonomische und ökologische Aspekte auf ganzheitliche Weise. Dabei sollen alle Bereiche des Bauens und der Umweltgestaltung also Wohnungsbau, Städtebau, öffentliche Bauten, Freiraumplanung aber auch Gewerbe-, Industrie- und Verkehrsbau diesem Anspruch gerecht werden. Wie lassen sich die wesentlichen Qualitätsmerkmale von baukulturell hochwertiger Architektur und Städtebau beschreiben?
 
Wesentliche Qualitätsmerkmale von Baukultur allgemein
 
  • Lebenswerte Orte, in denen sich die Menschen wohlfühlen und mit denen sie sich dauerhaft identifizieren können
  • Gestaltung von Dörfern und Städten mit sozialer Verantwortung
  • Orte zum Leben statt strikte funktionale Trennung von Arbeit, Wohnen und Freizeit Respekt und Bewahrung von regionalem Erbe bei gleichzeitiger Weiterentwicklung zeitgemäßer Bauweisen mit hohem handwerklichen und gestalterischem Niveau.
  • eigenverantwortliche Mitbestimmung und Teilhabe aller Akteure und Akteurinnen, d.h. die Investoren und Investorinnen/Eigentümer und Eigentümerinnen als auch Architekten und Architektinnen/Planer und Planerinnen binden die Bürger bzw. Nutzer, das Gemeinwesen, die Nachbarschaft mit Handel, Kultur, Dienstleistern, Gewerbetreibenden und das bürgerschaftliche Engagements vor Ort frühzeitig in den Planungs- und Bauprozess ein.
 

11.1.2.    Qualitäten Gemeinschaftlicher Wohnprojekte im Sinne der Baukultur

Was bedeutet Baukultur für Gemeinschaftliches Wohnen als Bauaufgabe?
 „Baukultur vollzieht sich vor Ort!" Es gibt also weder konkrete ästhetisch-gestal-terische Maßstäbe noch ideale städtebauliche Strukturen, die es „nachzubauen" gilt.
Gelingt es jedoch, die typischen Charakteristika gemeinschaftlicher Wohnprojekte als architektonische und städtebauliche Aufgabe ganzheitlich umzusetzen, können zahlreiche Beispiele für Baukultur im oben genannten Sinne entstehen, denn gemeinschaftliche Wohnprojekte haben diesbezüglich ein großes Potenzial.
In der laufenden Diskussion über Baukultur und bei Betrachtung ausgewählter „Guter Praxisbeispiele" wird deutlich, dass gemeinschaftlich orientierte  Wohn- und Lebensformen in vielerlei Hinsicht den Qualitätsmerkmalen von Baukultur viel besser entsprechen als es der konventionelle Wohnungsbau häufig zu leisten vermag. In Bezug auf eine neue demokratische Planungskultur geht es darum, „das öffentliche Bewusstsein für Optionen der Stadtentwicklung zu schärfen, individuelle Handlungsmöglichkeiten in urbanen Handlungsfeldern aufzuzeigen und Räume für das Engagement von Bürgern und Wirtschaft zu öffnen." (Quelle: http://www.bbr.bund.de/ )

 
Qualitätskriterien Gemeinschaftlicher Wohnprojekte im Sinne der Baukultur
 
Nachhaltige Wohn- und Lebensqualität
  • Leben in nachbarschaftlicher Gemeinschaft und mehr Mitbestimmung bei der Ausgestaltung des eigenen unmittelbaren Wohn- und Lebensumfeldes
  • Vereinbarung von ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekten
  • Gestaltung + Funktionalität im Einklang nach Maß, nicht nach Rendite
  • Partizipative Planung
  • grundlegendes Prinzip der Mitbestimmung bei der Planung, Umsetzung und Bewirtschaftung - nicht „für" sondern „mit" den Menschen bauen
  • aktive Bewohnerbeteiligung bei der Planung, bei der Bewirtschaftung und bei gegenseitiger nachbarschaftlicher Hilfe im Alltag
  • hohes Maß an Selbstbestimmung, Selbstorganisation und Demokratie
  • ganzheitlicher Planungsansatz und integrativer Planungsprozess als konstruktiver und kreativer Dialog in den Städten und Gemeinden unter Einbeziehung aller Verantwortlichen
 
 

 
Potenziale von Gemeinschaftswohnprojekten für eine sozial ausgerichtete Stadtentwicklung
 
  • Selbstorganisation, Selbstbestimmtheit und Organisation alltäglicher, nachbarschaftlicher Unterstützungsnetzwerke als übergreifende Zielstellung von Wohnprojekten
  • Angebote für alle Menschen, auch unterstützungsbedürftige, die einen experimentellen oder alternativen Lebensstil leben wollen
  • Alternativen zur funktionstrennenden, an der klassischen Familie orientierten Stadt 
  • Soziales Lernen - Gemeinschaftlichkeit und Selbsttätigkeit unterstützt nachweislich innovative Lernmilieus und ökologische Verhaltensänderungen
  • Ausstrahlung in die angrenzenden Stadtteile durch ihre sozial-integrative Ausrichtung
  • Impulse für mehr Lebens- und Umweltqualität in städtischen Räumen durch konkrete, kleinräumige Verbesserungen (Förderung von Funktionsmischung, kurze Wege, informelle sozio-kulturelle Angebote, Gegenbewegung zu Abwanderung)
  • Potenzial zur Umsetzung sozialer und ökologischer Ziele auf kommunaler/regionaler Ebene
  • langfristige Sicherung von Beständen und Quartieren (Revitalisierung von Leerstand und Brachen, Umnutzung von Gewerbeflächen, Imageaufwertung durch aktives  und integratives Gemeinschaftsleben, Stabilisierung und Aufwertung von Quartieren)
 

11.1.3.    Gemeinschaftswohnprojekte als lebenswerte Orte

Wie entsteht Akzeptanz und Wohlbefinden bei den Menschen bezogen auf ihre Wohn- und Arbeitswelt sowie das dazugehörige Umfeld?
Es geht stets um die standortgerechte Entwicklung einer Wohn- und Lebenskultur, die den individuellen und gemeinschaftlichen Bedürfnissen der Bewohner und Bewohnerinnen bzw. der Nutzer und Nutzerinnen gleichermaßen gerecht wird. Gesundes „Wohnklima" entsteht deshalb durch Maßnahmen sowohl auf städtebaulicher Ebene als am und im Gebäude selbst.
Die hier aufgezählten Aspekte werden in den folgenden Kapiteln genauer betrachtet und mit Abbildungen anschaulich gemacht.
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