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11.5 Wohnungsplanung

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11.5.1. Wohnbedürfnisse im Gemeinschaftswohnprojekt

Die Entscheidung, sich einem Wohnprojekt anzuschließen, bedeutet i.d.R., dass die Menschen langfristig - wenn nicht gar bis zum Lebensende - in dieser Wohnung, zumindest in diesem Projekt, leben wollen. Erfahrungsgemäß wandeln sich jedoch im Laufe des Lebens die Wohnbedürfnisse der Menschen aufgrund von Veränderungen im Privat- und Berufsleben.
Ein hoher Gebrauchswert der Wohnungen und Optimierung der Flächenbedarfe sind grundlegende Forderungen, die eine Wohnung generell im Gemeinschaftswohnprojekt erfüllen sollte. Einige wesentliche Aspekte sollen im Folgenden näher erläutert werden.
 
Privatsphäre sichern - Mindestbedarfe
Der klassische Begriff der Wohngemeinschaft (WG) bedeutet, dass die Mitglieder über 1 bis 2 private Räume verfügen und eine (Wohn)-Küche und das Bad/WC gemeinsam nutzen. Auch in der Wohnprojekte-Szene gibt es einige erfolgreiche Beispiele dafür, dass verschiedene Altersgruppen in dieser WG-Form zusammen wohnen. Das ist jedoch die Ausnahme.
Grundsätzlich lässt sich nachweisen, „dass der Erfolg eines Wohnprojektes in entscheidendem Maße vom Vorhandensein ausreichender Privaträume abhängt."
(Lit: Neues Wohnen fürs Alter, S. 57) . Deshalb verfügen die einzelnen Wohneinheiten auch in den so genannten Alten-WG's i.d.R. über folgende Mindestausstattung:
  • 1 ½  Zimmer
  • kleines Bad mit WC (möglichst mit ausreichender Bewegungsfläche mind. für Rollator oder Helferperson)
  • Kochnische mit 2 Elt-Kochplatten und Minikühlschrank


 
 
Pläne: Grundrisse des HAUS NOAH in Ludwigshafen, Die Wohnungen-Gemeinschaft 50+ bietet abgeschlossene Wohnungen in zwei übereinanderliegenden Geschossen und einen Gemeinschaftsbereich für alle.
 

 
Pläne: Klein- und Kleinstwohnungen und mehrere Gemeinschaftsbereiche bietet die Wohnungen-Gemeinschaft 70+. Auf zwei Geschossenwohnen leben hier Senioren und Menschen mit Einschränkungen selbstbestimmt aber mit umfangreichen Betreuungs- und Betätigungsangeboten nach Maß. Grundrisse des HAUS NOAH in Ludwigshafen,
Quelle: Broschüre „Neue Wohnformen - Ziehen Sie ins Haus Noah, der LUWOGE - Das Wohnungsunternehmen der BASF in Ludwigshafen
 

 
Plan: Grundriss der 2-Zimmer Wohnungen im Hermine-Kölschtzky-Haus - Wohnen für alle Generationen, Architektur und Plan: Hermann Möhlenkamp
 
Nutzungsvielfalt von Wohnungen / Flexibilität der Grundrisse
Gut proportionierte Räume, die sich wahlweise als Wohn-, Schlaf-, Kinder- oder Arbeitszimmer eignen und möglichst zentral von einem Flur oder einer Diele erschlossen werden, sind ideale Voraussetzungen, die Wohnung den sich verändernden Bedürfnissen der Bewohner immer wieder anzupassen. Bei der Festlegung der Raumnutzung sind auch mögliche Funktionsstörungen und das Thema Lärmverursachung / Ruhebedürfnis (Straße, Kinder, Klavier) zu beachten.
Sofern die Belichtung von zwei Seiten gesichert ist, lassen sich große Räume auch zeitweise teilen und später wieder zusammenschließen. Sogenannte Schalträume liegen zwischen zwei Räumen und werden je nach Bedarf der einen oder anderen Seite „zugeschaltet". Voraussetzung sind in beiden Fällen leicht demontierbare, nichttragende Trennwände, die allerdings keinen optimalen Schallschutz gewährleisten können.
Das Prinzip der so genannten Schaltwohnungen, d.h. dass bei Bedarf zwei kleinere zu einer großen „zusammengeschaltet" werden können und umgekehrt, haben sich in kleineren Projekten, insbesondere bei Eigentum, nicht bewährt. In größeren Anlagen, insbesondere bei Mietwohnungen, kann es funktionieren, weil sich hier Einzug und Umzug eher auf solche veränderten Bedarfe hin koordinieren lassen.
 
Lebenslanges Wohnen
Die durchschnittliche Aufenthaltszeit in der Wohnung steigt mit zunehmenden Alter stetig an und geht oft mit einer steigenden Einschränkung der Mobilität einher. Transparenz, Helligkeit und Ausblicke - auch im Sitzen - erhalten den lebensnotwenigen Kontakt zur Außenwelt. Ideal ist deshalb der barrierefreie Zugang zu einem Freisitz (Terrasse, Balkon, Laubengang) und zu den Gemeinschaftsbereichen. (Link Kap. 11.3 Freiraum)
Grundsätzlich ist zu empfehlen, dass in der Planungsphase des Wohnprojektes jede Mietpartei für sich und die Gemeinschaft verschiedene, auch langfristige Szenarien, durchgespielt, wobei Krankheit, Pflegebedürftigkeit und Tod kein Tabu sein dürfen. Die optimale Lösung für alle Lebenslagen gibt es allerdings nicht!
Über spezielle bauliche Anforderungen in Bezug auf Barrierefreiheit/Barrierearmut und Wohnungsanpassungen informiert Kap 9.6.  

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