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4.4.4. Wohnen zu Hause

Wohnen-Bleiben-zu-Hause auch in höherem Alter ist der Wunsch der weitaus meisten Menschen. Es entspricht den Zielen der Politik, um den anstehenden großen Andrang Älterer und vor allem älterer Pflegebedürftiger bewältigen zu können. Diese Form wird in Zukunft für die weitaus meisten Menschen in Frage kommen.
  • Charakteristik: Damit es zu einem Teil eines gemeinschaftlichen Wohnens wird, muss die Wohnung und vor allem die Bewohner und Bewohnerinnen Anschluss finden an ein soziales Netzwerk.
  • Rechtliche und wirtschaftliche Organisation
    • In Frage kommt die Beteiligung sowohl für Wohnungen in eigenem wie auch für übliche Mietwohnungen in fremden Eigentum
  • Besonderheiten: Sinnvoll ist zu prüfen ob die Lage (s. Kap. 10 Grundstück und Gebäude) für das Wohnen im Alter geeignet und die barrierefreie Erreichbarkeit gewährleistet ist. Die Wohnungsausstattung muss ein selbstständiges Wohnen auch in hohem Alter und bei körperlichen Einschränkungen fördern und geeignet sein, damit dort die Hilfs- und Pflegeleistungen erbracht werden können.
 
 

4.4.5. Siedlungsgemeinschaften

Siedlungsgemeinschaften im Sinne der neuen gemeinschaftlichen Wohnformen entstehen erst, wenn zu dem Wohnen in einer Siedlung eine aktive und wirksame Nachbarschaft vor Ort hinzukommt. Alleine die einheitliche Eigentümerschaft  und Verwaltung beispielsweise im Rahmen einer Wohnungsgenossenschaft begründet noch keine Siedlungsgemeinschaft in der hier angesprochenen Form. Das entscheidende Kriterium ist, das ein soziales Netzwerk über das Wohnen hinaus besteht.
 
  • Charakteristik:
    • Eine Siedlung zeichnet sich durch eine gewisse Homogenität in Nutzung, Gestaltung und Verwaltung aus. Äußerlich sind die Siedlungen durch mehrere Gebäude in einem unmittelbaren räumlichen Zusammenhang gekennzeichnet, die sich oft durch gleichartige Gestaltung der Häuser, eine einheitliche Erschließung mit Wegen, Plätzen und Strassen und eine verbindende Gestaltung der Grün- und Freiflächen auszeichnen.
    • Größere Anzahl von Bewohnern und Bewohnerinnen
    • Kann in bestehenden oder Neubau-Siedlungen entstehen
    • Oft handelt es sich um ältere Siedlungen, für die die Eigentümer die Herausforderungen der Anpassung an moderne Anforderungen angenommen haben
    • Maßnahmen zur Bildung aktiver Gemeinschaften werden in der Regel auf Initiative von Selbsthilfegruppen oder Wohnungsunternehmen eingeleitet. Im Zentrum stehen Aktivitäten und Einrichtungen, die das Zusammenleben der Generationen und die Nachbarschaftshilfe fördern
    • Die Maßnahmen umfassen  z.B. Gründung von Nachbarschaftshilfevereinen, Organisation von Tauschbörsen, Einbindung professioneller Hilfs- und Pflegeangebote, aber können und sollten auch bauliche Maßnahmen umfassen (Verbesserung der Barrierearmut oder -freiheit z.B. durch Einbau von Aufzügen, Einrichtung oder Neubau von Gemeinschaftsräumen, Umbau von Bädern, Ergänzung von Pflegewohnungen und Wohnungen für Menschen mit körperlichen Behinderungen.
  • Rechtliche und wirtschaftliche Organisation
    • Die größere Homogenität der Siedlungen beruht auf einem einheitlichen Initiator und Entwickler. Es kann sich dabei um eine selbst organisierte Bürgergruppe, eine Wohnungsbaugenossenschaft oder ein kommunales oder privatwirtschaftliches Wohnungsunternehmen handeln.
    • Die weitaus meisten Siedlungen haben einen einheitlichen Eigentümer, meist auch eine einheitliche Verwaltung. Typisch sind beispielsweise die großen Gartenstädte und Wohnsiedlungen im Eigentum der Wohnungsgenossenschaften oder der kommunalen Wohnungsunternehmen.
    • Im Rahmen dieser Siedlungen können bestimmte Aufgabenbereiche von der lokalen Haus- oder Siedlungsgemeinschaft übernommen werden. Das ist entweder durch die Satzung (z.B. bei Wohnungsgenossenschaften durch sog. Hausgemeinschaften) oder durch Individualverträge (bei sonstigen Wohnungsgesellschaften) geregelt.
    • Wichtig: Wie bei den Hausgemeinschaften sollte die Siedlungsgemeinschaft ein vertraglich zugesprochenes Recht zur Mitbestimmung bei der Belegung der Wohnungen haben. Dies kann auch getrennt nach einzelnen Siedlungshäusern erfolgen.
 
 
Projektbeispiel Siedlungsgemeinschaften
 
  • Freie Scholle Bielefeld: Ein musterhaftes Beispiel für das Angebot einer Wohnungsgenossenschaft ist die Freie Scholle eG (www.freie-scholle.de) unter Nachbarschaftshilfe und Gemeinschaftseinrichtungen) in Bielefeld, die sich in beispielhafter Form für die Entstehung und Pflege von Nachbarschaftshilfe und Betreuung älterer Bewohner in ihren Siedlungen einsetzt.
 
  • Seit etwa den 80er Jahren gibt es darüberhinaus eine vergleichsweise geringe, aber zunehmende Anzahl von Siedlungen, die auf der Grundlage besonderer ökologischer oder sozialer Zielstellungen in Selbstorganisation entstanden sind. Die einzelnen Häuser oder Wohnungen befinden sich entweder in individuellem oder in gemeinschaftlichem Eigentum. Sie weisen ähnliche homogene städtebauliche Strukturen und eine weitgehend einheitliche Architektur auf, die sich bis in die Verwendung bestimmter Baumaterialien oder der gemeinsamen Energieversorgung (BHKW= Blockheizkraftwerke, BHW=Blockheizwerke) erstrecken kann.
 
 
Projektbeispiele Ökologische und soziale Wohnprojekte
 
  • Verzeichnisse zu Nachhaltigen Wohnprojekten: Diese Seite umfasst nach Angaben des Autors 180 Gemeinschafts-wohnprojekte mit zusammen 26.00 Wohneinheiten. Unter Ökosiedlungen werden auch ganzheitliche Projekte mit sozialen Zielsetzungen umfasst, so dass die Adresse auch für unsere Zwecke relevant ist
www.oekosiedlungen.de
Ein Verzeichnis von Ökodörfern und intentionalen Gemeinschaften in Europa
www.eurotopia.de
 
  • Die Siedlungen mit individuellem Eigentum entstehen meist in der Organisationsform der Baugemeinschaften, nur dass diese sich hier auf den größeren Zusammenhang einer ganzen Siedlung erstreckt, was einen nochmals erheblich höheren organisatorischen und sozialen Aufwand bedingt.
  • Wohnen in Siedlungsgemeinschaften ist in der Regel günstiger wie das vergleichbare Angebot auf dem sonstigen Wohnungsmarkt, beispielsweise wenn es sich um den Wohnungsbestand einer älteren Wohnungsgesellschaft handelt. Bei Neubauprojekten ermöglicht vor allem das größere Bauvolumen günstigere Preis-Leistungsverhältnisse. Für das Wohnen und den Betrieb gilt, dass größere Einheiten auch effizienter bewirtschaftet werden können. Dies kommt insbesondere den selbst organisierten Wohnprojekten zu Gute, wenn Sie die Verwaltung selber übernehmen. Und viele Leistungen wie der soziale Zusammenhalt können monetär gar nicht bewertet werden.


  • Eignung, bevorzugte Bewohner
    • In Deutschland wohnen mehrere Millionen Menschen bereits in einer gemeinschaftlichen Wohnform, nämlich in einer der traditionellen Wohnungsgenossenschaften. Organisiert durch den VdW - Verband deutscher Wohnungsunternehmen haben sich die Mitgliedsgesellschaften im vergangenen Jahr auf den Weg gemacht, die Vorteile der neuen gemeinschaftlichen Wohnformen auch in ihrem Bestand zu aktivieren. Interessant ist, dass hier mit vergleichsweise überschaubarer Organisation und Aufwand Millionen von Menschen erreicht werden können. Allerdings geht es nicht nur um bauliche Maßnahmen, sondern vor allem auch um die Aktivierung der Bewohner. in den lokalen Nachbarschaften, um neue Formen der Organisation und Gemeinschaftsbildung, die sich bis in ergänzende Finanzierungsformen (z.B. Mietzuschlägen für Gemeinschaftsräume) und rechtliche Strukturen (z.B. Nachbarschaftshilfevereine) erstrecken kann. Derartige Maßnahmen können in großem Umfang das Wohnen-Bleiben-zu-Hause vor allem im Alter ermöglichen. Das ist für alle Beteiligten interessant:
    •  
      • Sozialpolitisch, also auf bundesstaatlicher, auf Länder oder Kommunalebene durch die große Anzahl der Betroffenen,
      • Für die Wohnungsgenossenschaften, weil sie ihre Mieter halten können bzw. auch für neue Bewohner außerordentlich interessant sein können. Ein solches Angebot entspricht dem voraussichtlichen Wohnbedarf der nächsten Jahrzehnte. Diese langfristige Perspektive macht die Aufwertung und Sanierung des Wohnungsbestandes wirtschaftlich interessant.
      • Für die Bewohner, weil sie durch diese Wohnform selbst wieder aktiv einbezogen werden. Soziale Einbindung und Sinnhaftigkeit des eigenen Tuns sind wesentliche „Zutaten" für ein zufriedenes Leben und geben die beste Gewähr für ein gesundes und möglichst selbstständiges langes Leben. Das hat bereits der 2. Altenbericht der Bundesregierung, in dem vor allem um die Bedeutung und die weitere Entwicklung des Wohnens thematisiert wurde, herausgestellt.
Hier steckt ein riesiges Potential für die Zukunft. Nach den Pionieren wie beispielsweise der Genossenschaft  Freie Scholle in Bielefeld haben die großen Wohnungsgenossenschaften in den vergangenen Jahren gerade erst begonnen, ihre Wohnungsbestände umzurüsten.
Ein zumindest mengenmäßig vergleichbares Potential dürfte in den Wohnungsbeständen der kommunalen Wohnungsbaugesellschaften liegen. Die betroffenen Kommunen haben damit ein ausgezeichnetes Instrument in der hand, Hilfestrukturen und bedarfsgerechten Wohnraum für breite Teile der Bevölkerung anzubieten. Die Bertelsmannstiftung macht in ihren jüngsten Untersuchungen auf den volkswirtschaftlich relevanten Effekt für die beteiligten Kommunen aufmerksam (Geplant: Sozioökonomische Mehrwertanalyse gemeinschaftlicher Wohnprojekte www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xchg/SID-0A000F0A-AFE93DA5/bst/hs.xsl/72947_72984.htm). Um die Bewohner zu aktivieren dürften allerdings die Einführung oder der Ausbau von Selbstbestimmungs- und Solidarstrukturen unter den Bewohnern notwendig sein.
 
 

4.4.6. Quartiersgemeinschaften (Quartiersprojekte)

In Zukunft wird es vor allem darum gehen, neue Wohnungsangebote und Betreuungsformen dort zu initiieren und kleinräumig zu vernetzen, wo die meisten Menschen betroffen sind.: Dem städtischen Quartier, dem außerhalb der Städte das Dorf bzw. die Kleingemeinde entspricht. Bürgerschaftliches Engagement ist ebenso zu aktivieren und zu integrieren wie vorhandene Angebote professioneller Anbieter.
  • Charakteristik: Der Begriff Quartier definiert dabei
    • eine Größenordnung von etwa 5.000 - 15.000 Bewohnern (vgl. S. 21, 1.Abs. Kap. 2.1.3 Förderung von Quartierskonzepten, in:„Wohnen im Alter" Bewährte Wege- Neue Herausforderungen", Ein Handlungsleitfaden für Kommunen, Hrsg. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend)
    • In der Regel heterogene und damit wesentlich komplexere Bau-, Eigentums- und Verwaltungsstrukturen, damit unterscheiden sich Quartierskonzepte wesentlich von Siedlungsgemeinschaften
    • Statt sozialer Integration herrschen oft Anonymität und nachbarschaftliche Gleichgültigkeit bis hin zu baulicher und sozialer Abgrenzung vor.
    • Die bauliche Heterogenität entsteht durch ein Gemisch von Gebäuden in unterschiedlichen Baudichten, Baulücken und Brachflächen, in Bauten aus unterschiedlichem Baujahren, mit unterschiedlichem Sanierungsbedarf, Energiestandard und energetischer Sanierungsbedarf, Komfort, Preis, Barrierestandard usw.
    • Besondere Probleme bereiten die heterogenen Eigentumsstrukturen und die meist sehr unterschiedlichen Ziele und Zeithorizonte, die die Eigentümer oder Verwalter mit dem Besitz verfolgen, und damit zusammen hängend ihre unterschiedliche Aktivierbarkeit für eine Revitalisierung und Weiterentwicklung des Bestandes.
  • Anlass für Quartiersprojekte
    • Mangel an sozialen Angeboten
    • Mangel an häuslicher Pflege
    • Mangel an speziellen Wohnformen
    • Bessere Vernetzung vorhandener Angebote
    • Anpassung und Weiterentwicklung vorhandener Versorgungsangeboten
    • Mängel im Wohnungsbestand
    • Schwierige Bewohnerstruktur
  • Ziele
    • Verbleib älterer Menschen im Quartier, möglichst sogar in der eigenen Wohnung
    • Überwindung der Leerstandsproblematik durch bedarfsgerechte Angebote
    • Die bürgerschaftlich organisierten Gruppen spielen dabei eine zentrale Rolle, letztlich geht es darum, die Potenziale für Eigeninitiative, Eigenverantwortung und gegenseitiger Hilfe zu stärken
    • Mangelhafte Infrastruktur
  • Vorgehensweise für Quartiersprojekte
    • Eine Lösung ist in der Regel nur mit Unterstützung der Kommune oder eines eventuell vorherrschenden größeren Wohnungsunternehmens möglich
    • Zu empfehlen sind integrierte Handlungskonzepte, die die komplexe Thematik systemisch angehen
    • Es braucht professionelle Koordination, Moderation, Einsatz beruflich qualifizierter und mit den Besonderheiten
    • Der Erfolg ist maßgeblich abhängig von geeigneten Umsetzungsverfahren
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      • Mitwirkung und Mitbestimmung
      • Kooperation der Akteure
      • dezentrale und zentrale Organisation (Kommune und Quartier)
      • Koordination und Entscheidungen auf Quartiersebene
  • Unterstützung durch die Kommune
    • Unterstützung des Aufbaus
    • Mitwirkung und Unterstützung der Umsetzung
    • Externe Berater einbeziehen und Erfahrungsaustausche fördern
    • Finanzielle Förderung durch
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      • Finanzierung sozialer Angebote
      • Finanzielle Förderung ehrenamtlichen Engagements
      • Erschließung weiterer öffentlicher Mittel
    • Bürgernahe Verwaltung
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      • Ämter- und ressortübergreifende Kooperation innerhalb der Verwaltung
      • Entscheidungsbefugnisse auf Quartiersebene verlagern
      • Mitwirkung der Bürger ermöglichen und integrieren
      • Kleinräumige Analyse und Information bereitstellen
      • Kooperation der Akteure fördern
    • Stadtteilbezogene gemeinwesenorientierte Altenhilfe- und Sozialpolitik
    • Einbeziehung in eine Rahmenplanung oder Strukturplanung des Landkreises
  • Beispiele für Angebote im Quartier - umfassen die ganze Palette aufgezeigter Maßnahmen[1]
    • Bauliche Maßnahmen in der eigenen Häuslichkeit, Anpassung des Wohnungsbestandes und des Wohnumfelds
    • Beratung und Alltagshilfen im Quartier - Zugehende Beratung, Angebot leicht zugänglicher Alltagshilfen, Koordination und Vermittlung von Diensten z.B. über ein Bürgerbüro oder Bürgeraktionszentrum
    • Soziale Integration und gegenseitige Hilfe im Quartier - Treffpunkte, Gemeinschafts- und Freizeitangebote, Selbst- und Nachbarschaftshilfe
    • Einbindung selbstständiger Wohnformen mit Gemeinschaft und Betreuung in das Quartier
    • Geeignete Rahmenbedingungen für neue Wohnformen anbieten - Insbesondere Grundstücksreservierungen über einen ausreichenden Zeitraum für selbst organisierte Neubau- oder Sanierungsprojekte, Hilfestellung bei Öffentlichkeitsarbeit und Organisation
    • Quartiersbezogene Pflege- und Betreuungsleistungen - Bürgerschaftlich organisierte Nachbarschaftshilfe, ambulante Dienste, teilstationäre Einrichtungen
    • Spezielle Wohnformen für Pflegebedürftige im Quartier - Selbstorganisierte ambulant betreute Wohngemeinschaften und stationäre Angebote wie z.B. die KDA-Hausgemeinschaft
 
 
Praxistipp für interessierte Bürger
 
  • Achten Sie auf Quartiere, in denen solche Angebote bereits eingerichtet wurden oder beabsichtigt sind..
  • Wenn Sie in ihrem jetzigen Quartier wohnen bleiben wollen, ergreifen Sie die Initiative. Finden Sie Gleichgesinnte, informieren Sie sich ausführlich über gute Beispiele, und Bauen ein eigenes Konzept für beispielsweise einen Bürgerverein auf. Gehen Sie auf die Stadt zu und fragen nach Unterstützung. Sind Sie Mieter, gehen Sie auf ihren Vermieter zu und fragen an, welche Maßnahmen er vorsieht oder regen sinnvolle Maßnahmen an. Überzeugen Sie ihn mit guten Beispielen anderer Wohnungsunternehmen.
 
 

4.4.7. Dorfgemeinschaften (Kleinere Gemeinden)

Die Frage des Wohnens im Alter und damit zusammenhängend der Versorgung im Alter stellt sich in den Dörfern und kleineren Gemeinden im ländlichen Raum in ganz besonderer Form. Die zentrale politische Frage ist, ob das „Wohnen-Bleiben" in der Gemeinde möglich sein wird. Die Alternative ist der Wegzug oder schwere soziale Missstände. Wird das Angebot an Information, an Hilfe und Pflege ausreichend sein? Wird es attraktiv sein, im Alter außerhalb der größeren Städte zu wohnen? Das betrifft auch das Angebot an altersgerechten Veranstaltungen und anderen Einrichtungen, die ein Leben interessant machen können.
 
  • Ausgangspunkt sind die speziellen Rahmenbedingungen in kleineren Gemeinden:
    • Durch die tiefe Verwurzelung der ansässigen Bevölkerung hat der Wunsch, im eigenen Haus, zumindest aber in der Gemeinde, die oft seit Generationen Heimat für die Familie war, Wohnen-zu-Bleiben eine ganz besondere Bedeutung. Umzug vor allem im Alter heisst hier Entwurzelung!
    • I Der Grundsatz Ambulant vor stationär bedeutet eine neue Herausforderung für ländliche Gemeinden, während Pflegeplätze in erreichbarer Nähe aufgrund der intensiven Bemühungen der letzten Jahre oft in ausreichender Anzahl vorhanden sind.
  • Besondere Defizite als Anlass für Projekte - Neben den für die Quartiersprojekte genannten Punkte kommen erschwerend hinzu:
    • Stark differierende Versorgungssituation, fehlende Ärzte, Apotheken, Geschäfte für den täglichen Bedarf, Bank, Post, fehlende Mobilitätsangebote, Treffpunkte, Pflegeangebote
    • Abbau örtlicher Infrastruktur setzt sich fort
    • Die jungen Familienmitglieder pendeln aus beruflichen Gründen aus, d.h. sie sind tagsüber nicht verfügbar, oder sie wechseln vollständig ihren Wohnort, was zu einer weiteren Überalterung und Unwirtschaftlichkeit vorhandener Infrastrukturen und weiterem Abbau sozialer informeller sozialer Ressourcen führt.
    • Problematisch ist auch die fehlende Integration der „Neubürger" die in erster Generation in der Regel nicht gleichwertig in die vorhandenen sozialen Strukturen integriert sind. Sie sind auch am ehesten bereit, wieder wegzuziehen
  • Besondere Ressourcen für Projekte - Interessant ist, dass es neben allen Defizite aber auch erstaunliche Ressourcen gibt: Durch die große Verwurzelung in der Gemeinde folgt in der Regel ein guter sozialer Zusammenhalt und daraus eine enorme Bereitschaft sich gegenseitig auszuhelfen
  • Besondere Maßnahmenfelder - Zusätzlich zu den im Kap. Quartierskonzepte angesprochenen kommen hinzu:
    • Siedlungsstrukturelle Veränderungen
    • Überörtliche Kooperation und Vernetzung
    • Versorgungsangebote für den täglichen Bedarf
    • Sozialer Zusammenhalt in der Gemeinde durch die Einbindung von Neubürgern stärken
    • Mobilität verbessern durch Koordinierung von öffentlicher Personennahverkehr und Ausbau von Fahrdiensten
  • Ziele - 6 Maßnahmenfelder kristallisieren sich heraus:
    • Die Wohnungsanpassung, was bei den historischen  Bausubstanz zu einer besonderen Herausforderung werden kann, insbesondere wenn Denkmalschutz hinzukommt
    • Konkrete Altenhilfeprojekte
    • Optimierung bestehender Altenhilfestrukturen - Zugänge verbessern, bestehende Angebote vernetzen, Zusammenarbeit der Akteure fördern
    • Bewährt hat sich die Gründung eines Bürgervereins und die zentrale Koordination, Dokumentation und Information über die bestehenden Angebote über ein Bürgerbüro
 
Die erstaunlichen sozialen Ressourcen führen wohl auch dazu, das so erfolgreiche soziale Netzwerke als Bürgerprojekte in den ländlichen Gemeinden entstanden sind, an dieser Stelle sei nochmals besonders hingewiesen auf das Kapitel 4.2.3 „Nachbarschaftsgemeinschaften - Einbindung in soziale Netzwerke" und die dort aufgeführten Projektbeispiele in Eichstetten, Amtzell und Lenningen. Alles Gemeinden um die 3.000 Einwohnern.
 

[1] Vgl. auch S. 21, 1.Abs. Kap. 2.1.3 Förderung von Quartierskonzepten, in:„Wohnen im Alter" Bewährte Wege- Neue Herausforderungen", Ein Handlungsleitfaden für Kommunen, Hrsg. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
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