Hauptmenü
Impressum | Datenschutz | Kontakt

Schriftgröße: 
Seite 2 von 5    |zurückvor
 

5.1.2. Persönliche Entscheidungen zu Beginn

Entscheidend für das Entstehen und gute Gelingen gemeinschaftlicher Wohnformen sind die einzelnen Beteiligten: Ihr persönlicher Wille, ihre Verbindlichkeit und die Klärung der eigenen Voraussetzungen sind die entscheidenden Ressourcen. Einige wichtige Fragen zu Beginn ihrer persönlichen „Entdeckungsreise" haben wir Ihnen zusammengestellt:

 
Check: Klärung individueller Voraussetzungen
 
 
Thematischer Überblick und geklärte Präferenzen
Haben Sie sich einen ausreichenden Überblick verschafft über die verschiedenen Wohnformen im Alter und ihre Präferenz für eine gemeinschaftliche Wohnform geklärt?

Wohnungswechsel oder Wohnungsverbleib?
Wollen Sie in Ihrer Wohnung bleiben und suchen Anschluss an ein soziales Netzwerk oder wollen selber eines initiieren? Oder ist es beschlossene Sache, ihren bisherigen Wohnort aufzugeben, das heißt Ihre Mietwohnung zu kündigen oder möglicherweise ihr Haus oder Wohnung zu vermieten, zu vererben oder zu verkaufen?

Klarheit über die eigene finanzielle Situation
Haben Sie ihre finanziellen Fragen geklärt, wissen Sie, wie viel Mittel sie einsetzen können und wollen, für laufende oder einmalige Kosten? Sind ihre Vorstellungen realistisch, also an den zu erwartenden Preisen orientiert? Oder haben Sie zumindest eine erste Kenntnis besonderer Finanzierungsformen in den verschiedenen Arten gemeinschaftlicher Wohnformen und wollen sich dafür einsetzen?

Individuelle Kompetenzen
Haben sie Freude an guter Gemeinschaft? Und haben Sie Klarheit über ihre soziale Kompetenz, können Sie sich gut integrieren und abgrenzen, haben eine gute Balance von Toleranz und Entschiedenheit?
 
Informieren Sie sich gründlich, lassen sich aber auch ihre mögliche spontane Begeisterung nicht nehmen. Wenn Sie nicht alle Fragen am Anfang beantworten können, dann sollte ihre Entschlossenheit groß sein, dies möglichst frühzeitig herauszufinden. Ihre Entscheidungen sind umso wirkungsvoller, je authentischer sie sind, das heißt, je mehr sie tatsächlich ihrer eigenen Persönlichkeit entsprechen und auf der anderen Seite zu der Gruppe passen und von ihr getragen werden. Hat eine Gruppe aus derart entschlossenen Menschen ihren Gemeinsinn in dieser Form entdeckt, dann hat sie in der Regel auch Erfolg bei der Gründung und beim weiteren Betrieb des jeweiligen Projektes.

5.1.3. Vier entscheidende „Zutaten" für ein gemeinschaftliches Wohnprojekt

Jede dieser Komponenten ist für ein erfolgreiches Wohnprojekt erforderlich:
  • Menschen - Initiatoren und Mitwirkende
  • Projektidee bzw. Konzept
  • Grundstück bzw. Miet- oder Kaufobjekt
  • Finanzmittel
 
In der Realität hat ein Projekt meistens einen Schwerpunkt, an dem es beginnt. Dieser Einstieg kann das Projekt in entscheidendem Maße prägen.
 
Menschen - Initiatoren und Mitwirkende stehen im Vordergrund
Um eine Initiatorin bzw. einen Initiator oder auch mehrere Personen sammelt sich eine Gruppe von Menschen, die sich gemeinsam das Ziel der Entstehung eines gemeinschaftlichen Wohnprojektes setzen. Im Vordergrund steht hier der einzelne Mensch bzw. die bestimmte Gruppierung. Das Projektkonzept verdichtet sich aus den aufeinander abgestimmten individuellen Zielen, ein Grundstück wird dann möglichst passend gesucht. Das kann langwierig sein. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass die Gruppen, die sich in diesem Prozess gefunden haben, eine gute Gemeinschaft bilden, ist groß. Denn über die Wohnqualität in einem gemeinschaftlichen Wohnprojekt entscheidet vor allem die Qualität der Gemeinschaft.
 
Ein Konzept als Ausgangspunkt des Projektes
Am Anfang steht vor allem ein Konzept für ein bereits weitgehend bestimmtes Projekt. Zumindest stehen wesentliche Ziele und Rahmenbedingungen, die das Projekt erheblich prägen, fest: Beispielsweise soll ein bestimmtes Finanzierungs- und Eigentumskonzept zur Anwendung kommen (z.B. Miethaussyndikat) oder es soll ein Beginenprojekt werden (für Frauen); oder es wird ein weitgehend fertiges Konzept eines Wohnungsunternehmens angeboten. Solche Projekte haben guten Zulauf, weil sie den Bedürfnissen bestimmter Zielgruppen entsprechen und sich bereits bewährt haben. Das hat den Charme, dass nicht alles neu erfunden oder erst ausgehandelt werden muss. Für Sie als Interessenten oder Interessentin hat dies den Vorteil, dass sie sich schneller entscheiden und vielleicht ein Ihnen zusagendes Projekt finden können.
 
In einem gemeinschaftlichen Wohnprojekt kommen diesen beiden Faktoren, Menschen und Konzept, zentrale Bedeutung zu. Das unterscheidet auch die gemeinschaftlichen Wohnformen von anderen bekannten Wohnformen: Dort entscheiden Sie sich nach der Lage und der Architektur, und dem Preis. In diesen Projekten können sie sich auch für die jeweiligen Beteiligten, die Stimmung, die Hilfsbereitschaft, die Möglichkeiten der Mitbestimmung und des Engagements in der Gruppe entscheiden.
 
Grundstück sucht Initiative
Eine Kommune (eher selten: ein privater Grundstücksbesitzer oder eine Grundstücksbesitzerin) bietet ihr Grundstück für die Entstehung gemeinschaftlicher Wohnprojekte an und sucht nun Initiatoren und Initiatorinnen und Gruppen, die das Grundstück kaufen, pachten und bebauen wollen. Auf dem Grundstück kann sich natürlich auch ein Baubestand befinden, der umgebaut oder saniert werden muss. Unter der Voraussetzung, dass der Gruppe das Grundstück zu akzeptablen Bedingungen zur Verfügung gestellt wird und für einen ausreichenden Zeitraum vor dem Kauf eine „Grundstücksoption" gewährt wird, ist eine der größten Hürden bei der Entwicklung eines gemeinschaftlichen Wohnprojektes genommen. Das zur Verfügung stehende Grundstück begünstigt die Gewinnung weiterer Mitwirker, viele potentiell Interessierte wollen und können sich erst entscheiden, wenn die Lage feststeht. Die Fristen, die einer Gruppe von der Kommune gesetzt werden, können sehr helfen, dass die Gruppe verbindlich wird und ihr Projekt zügig umsetzt.
 
Finanzmittel suchen Projekte
Die laufenden zur Verfügung stehenden Beträge z.B. für Mieten oder Kapitaldienste, die Menge des Eigenkapitals und des Fremdkapitals bestimmen maßgeblich die Möglichkeiten eines Projektes. Fremdkapital wird aus den unterschiedlichsten Motiven zur Verfügung gestellt. Üblicherweise steht die Orientierung an einer möglichst hohen Verzinsung im Vordergrund. Zunehmend wird aber auch Kapital für eine eher ethisch orientierte Investition zur Verfügung gestellt. Freunde, Freundinnen und Bekannte, ein Projektumfeld, das bestimmte soziale und ökologische Zielsetzungen fördern will, sind bereit, Geld, oft sogar zu verringerten Zinssätzen zur Verfügung zu stellen oder zu spenden und zu stiften. Es gibt Projektgruppen, die hier ganz eigene Wege in der Kapitalbeschaffung gehen und denen es gelungen ist, in ihrem Umfeld erhebliche Mittel einzusammeln oder mit Institutionen und Mäzenen zusammenzuarbeiten, die ihre Ziele unterstützen. Den bewussten Umgang mit Geld zu fördern ist eine besondere Chance, die in den gemeinschaftlichen Wohnprojekten steckt.
 
 

 
Projektbeispiele
 
Starke Konzepte
http://www.st.anna-hilfe.de/einrichtungen/standorte/lebensraeume/index.html
Lebensräume für Generationen, Wohnen, soziale Netzwerke und Hilfe

www.syndikat.org
Miethaussyndikat - Fördert selbst organisierten Hausprojekte und beteiligt sich finanziell, um diese dauerhaft dem Immobilienmarkt zu entziehen

www.dachverband-der-beginen.de
Beginenprojekte - eigenständige Lebens-, Wohn- und Wirtschaftsformen für Frauen

Gemeinden, die Grundstücke für gemeinschaftliche Mehrgenerationenprojekte anbieten
www.ps-patio.de
Lebensraum für Generationen im Winzler-Viertel in Pirmasens

www.prympark.org
Lebensphasenwohnen; Evangelische Gemeinde in Düren

www.karlsruhe.de/bauen/bauenplanen/baugruppen/albgruen
Mehrgenerationenwohnprojekt in Karlsruhe-Grün-winkel
 
Auch wenn der Einstieg die Projektqualitäten erheblich beeinflussen kann und bestimmte Tendenzen gesetzt werden, kann nicht gesagt werden, dass eine dieser Vorgehensweisen generell zu bevorzugen ist. Es kommt vielmehr darauf an, dass die Vorgehensweise für die Beteiligten stimmig ist. In guten Projekten wird ohnehin darauf geachtet, dass unabhängig vom Einstieg sämtliche für das Projekt entscheidenden „Bausteine" qualitätvoll entwickelt und zusammengefügt werden.
Seite 2 von 5    |zurückvor
Bild



BaS empirica FGW Volkssolidarität Brandenburg