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1. Neue Herausforderungen durch den demographischen Wandel

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Dr. Marie-Therese Krings-Heckemeier, empirica

1.1 Bedeutung des demographischen Wandels für heute und zukünftig Ältere, für Kommunen und die Wohnungswirtschaft

Aus Sicht älterer Menschen
Der demographische Wandel bedeutet Schrumpfung und Alterung der Bevölkerung. Der Anteil alleinstehender älterer Menschen ohne Kind und damit ohne Unterstützung durch die Familie wächst. Gegenwärtig wird der überwiegende Teil der regelmäßig hilfs- und pflegebedürftigen Älteren durch Familie und Nachbarschaft unterstützt. Dieses Unterstützungssystem wird in naher Zukunft zusammenbrechen, da die nächste Generation dünner besetzt ist und der Anteil der berufstätigen Frauen ständig steigt.
Die Situation für Ältere verschärft sich, weil es zunehmend mehr Wohngebiete (in den 60er und 70er Jahren gebaut) mit einem hohen Anteil Älterer gibt, die nach Auszug der Kinder in der Familienwohnung verbleiben. In diesen Wohngebieten, vor allem in wirtschaftlich schwachen Regionen (insbesondere im ländlichen Raum), dünnt die Bewohnerdichte aus und es ziehen keine jüngeren Familien nach. Die Versorgung mit Dienstleistungen vor Ort verschlechtert sich (weniger Kaufkraft im Einzugsgebiet) und die älteren Menschen leben räumlich isoliert.
Unter den bestehenden Rahmenbedingungen müssen Menschen mit geringem und mittlerem Einkommen im Alter zukünftig häufiger hinnehmen, dass sie nur notdürftig versorgt werden. Wenn keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden, kann im Alter dem Wunsch nach einer persönlichen und individuellen Hilfe nur in den seltensten Fällen entsprochen werden (zur Prüfung der persönlichen Lebenssituation im Alter s. Checkliste in Kapitel 3.6). Viele Gründe sprechen dafür, dass neue Wohnformen für Ältere entstehen, die die fehlende Familie, und sei es nur, weil sie berufsbedingt an einem anderen Standort lebt, ersetzen können. Es müssen Formen gefunden werden, bei denen sich die Bewohner auch gegenseitig (informell) im Rahmen ihrer Möglichkeiten unterstützen können.
Aktuelle Studien (Repräsentativbefragung bei den Generationen 50+: „Die Generationen über 50 - Wohnsituation, Potenziale und Perspektiven" empirica-Studie im Auftrag der Bundesgeschäftsstelle Landesbausparkassen im Deutschen Sparkassen- und Giroverband, 2006. Download: www.lbs.de/publikationen) zeigen, dass bei den heute und insbesondere zukünftig Älteren eine hohe Veränderungsbereitschaft im Hinblick auf die Wohnsituation besteht. Es wird über Lebensformen im Alter diskutiert, die neben Dienstleistungen, die auf dem freien Markt gekauft werden (müssen), informelle Unterstützungsleistungen integrieren.
 
Aus der Sicht der Kommunen
Die Entwicklung neuer, humaner und bezahlbarer Wohnformen für Ältere ist nicht nur Aufgabe der Älteren selbst. In Anbetracht der demographischen Entwicklung (vgl. Kapitel 1.1-1.3) und der knappen Kassen sind auch die Kommunen interessiert, innovative Gegenmaßnahmen zu ergreifen, um zu verhindern, dass absehbar mehr und mehr Pflegebedürftige in die Sozialhilfe „abrutschen". Die Kommunen müssen sich zukünftig alten- und gleichzeitig kinder- und familienfreundlich profilieren und kommunale Handlungskonzepte entwickeln, die den zu erwartenden Veränderungen in der Altenhilfe und dem steigenden Bedarf an bezahlbaren Hilfeleistungen eine Lösung entgegen setzen (vgl. Kapitel 17.6). Die neuen Konzepte sollten sich vorwiegend auf den Bereich Wohnen „zu Hause" konzentrieren. Wenn hier keine innovativen Entwicklungen in Gang gesetzt werden, wird mit wachsender Zahl der Älteren (insbesondere der Hochaltrigen) der Bedarf an stationären Pflegeplätzen deutlich wachsen. Die damit verbundenen, hohen investiven und laufenden Kosten würden auch den kommunalen Haushalt belasten.
 
Aus der Sicht der Wohnungswirtschaft
Die Wohnungswirtschaft ist daran interessiert, ihre Wohnungsbestände langfristig so attraktiv zu gestalten, dass ältere Menschen auch bei zunehmend eingeschränkter Mobilität in ihrer Wohnung bleiben können. In Anbetracht der mit dem demographischen Wandel langfristig einhergehenden Abnahme der Zahl der Haushalte besteht die Gefahr zunehmender Leerstände. Von daher entsteht die neue Herausforderung, die Wohnangebote mit wohnortnahen Dienstleistungen bis hin zur gegenseitigen Hilfe in der Nachbarschaft zu entwickeln (Vermeidung von Leerständen). Eine solche Entwicklung entspricht dem Interesse der meisten Älteren, die im Alter in ihrer gewohnten Nachbarschaft bleiben möchten. Von daher müssen quantitativ gesehen die neuen Wohnformen für Ältere überwiegend über Anpassungsmaßnahmen im Bestand (bauliche Maßnahmen und Ausstattung) realisiert werden (vgl. Kapitel 17.6.2). Im Hinblick auf die Bezahlbarkeit der Dienstleistungen, die bei zunehmender Hilfs- bzw. Pflegebedürftigkeit notwendig sind, gilt es, Nachbarschaftskonzepte zu entwickeln, die darauf zielen, Synergieeffekte bei den professionellen Dienstleistungen und der Mobilisierung von sozialen Netzwerken zu erreichen.
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