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2. Die Rolle des bürgerschaftlichen Engagements in einer alternden Gesellschaft

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Gabriella Hinn, Stefanie Adler und Waltraud Möhrlein,
Bundesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros e.V

2.1. Engagierte Seniorinnen und Senioren werden gebraucht

Die Tatsache, dass die Deutschen immer älter werden, wird oft einseitig mit Befürchtungen über Versorgungsengpässe und finanziellen Notstand betrachtet. Die ältere Generation wird dabei im allgemeinen als hilfe- und pflegebedürftig angesehen, als eine Gruppe also, die nur Kosten verursacht und nichts mehr leistet. Diese Klischees sind weit verbreitet, die Realität sieht jedoch anders aus.
Anstatt pauschal von „der älteren Generation" zu sprechen, lohnt es sich, genauer hinzusehen: Der Alterungsprozess verläuft, wie jeder in seinem Umfeld beobachten kann, nicht bei jedem auf die gleiche Weise. Nicht jeder fühlt sich mit 70 Jahren gleich gut oder schlecht. Physisch, psychisch und materiell sind Menschen in diesem Alter sehr unterschiedlich aufgestellt. Die individuelle Lebensgeschichte, Lebensweisen und genetische Veranlagungen spielen eine große Rolle bei der Frage, wie man altert.
Die Zeitspanne nach dem Berufsleben und der aktiven Familienphase umfasst oft mehrere Jahrzehnte und der größte Teil der Menschen verlebt diesen Zeitraum bei guter Gesundheit. Größere Einschränkungen stellen sich oft erst im sehr hohen Alter ein.
Menschen in der Lebensphase 50plus, die auch als drittes Lebensalter bezeichnet wird, führen heute ein aktives Leben, treiben Sport, interessieren sich für Reisen und Kultur. Viele ältere Menschen sind nicht nur gesundheitlich fit, sondern verfügen auch über vielfältige Erfahrungen, materielle Sicherheit und Zeit. Sie setzen diese „Pfunde" zunehmend für die Gesellschaft ein.
Wissenschaftliche Untersuchungen - so der Freiwilligensurvey 2004 der Bundesregierung - haben ergeben, dass das Engagement der 55- bis 74jährigen zwischen 1999 und 2004 um 5 Prozent gestiegen ist. Damit engagieren sich von den Jüngeren in dieser Altersgruppe 40 Prozent, von den Älteren immerhin 32 Prozent.
Das zeigt, dass wertvolle Leistungen von der älteren Generation zunehmend in die Gesellschaft eingebracht werden. Auch die Zeit, die in verschiedenen Studien zum bürgerschaftlichen Engagement Älterer ermittelt wurde, ist mit durchschnittlich 15 bis 29 Stunden im Monat beträchtlich. Eine weitere, ebenfalls wachsende Gruppe in der genannten Altersklasse ist bereit, sich zu engagieren. Ihr Anteil macht je nach Alter noch einmal bis zu 30 Prozent aus. Es gibt also immer mehr Seniorinnen und Senioren, die sich bereits für die Gemeinschaft engagieren oder dies gerne tun würden.
Es gilt auch als erwiesen, dass gemeinwohlorientiertes Engagement für die Älteren selbst zu größerer persönlicher Zufriedenheit und mehr Lebensqualität führt. Dennoch ist es in der Debatte um Alterspotenziale wichtig zu beachten, dass bürgerschaftliches Engagement eine freiwillige Leistung ist, auf die weder die Gesellschaft noch die Politik einen Anspruch erheben können. Engagierte ältere Menschen erbringen durch ihr freiwilliges Engagement einen unbezahlbaren Mehrwert für die Gesellschaft. Sie ergänzen hauptamtliche Kräfte und tragen zu einer Qualitätssteigerung der Angebote bei.

2.2. Kommunen und bürgerschaftliches Engagement im Zeichen einer alternden Bevölkerung

Die Auswirkungen des demografischen Wandels zeigen sich sehr deutlich in den Kommunen. Hier wird unmittelbar spürbar, ob die Versorgungsleistungen stimmen und Lebensqualität auch für ältere Menschen erhalten wird. Besonders Kommunen mit abnehmender Einwohnerzahl stehen vor der Aufgabe, mit weniger finanziellen Mitteln zufriedenstellende Versorgungs- und Wohnangebote zu gewährleisten.
Der Wandel zu einer schrumpfenden und alternden Bevölkerung in Verbindung mit rückläufigen staatlichen Leistungen macht es daher immer wichtiger, auch kreative Wege zu einem sozial tragfähigen Gemeinwesen zu beschreiten.
Eine große Chance der Kommunen liegt darin, die Bereitschaft zu freiwilligem Engagement besonders der Menschen aufzugreifen, die die aktive Berufs- und Familienphase beendet haben und die auf der Suche nach neuen Aufgaben und verantwortlichen Rollen sind. Wenn die Bereitschaft zum Engagement auf Aufgeschlossenheit und fördernde Rahmenbedingungen in der Kommune trifft, ist dies für beide Seiten gewinnbringend.
Die Menschen, die sich engagieren wollen, sollen durch gute Rahmenbedingungen nicht nur die Möglichkeit erhalten, ihre Kompetenzen und ihr Erfahrungswissen sinnvoll einzubringen, sondern auch mitzugestalten und mitzubestimmen. Moderne Altenarbeit bedeutet heutzutage: Selbsthilfe durch Engagement ermöglichen, Anregung zu Engagement anbieten, Selbstorganisation fördern und die Rahmenbedingungen hierfür zu schaffen. Eine innovative Seniorenpolitik ist gemeinsam mit den älteren Menschen zu gestalten, entsprechende Angebote sollten mit den Älteren und den Akteuren der Seniorenarbeit zusammen erarbeitet werden. In Zusammenarbeit mit Seniorenbeiräten und Seniorenvertretungen können ältere Menschen beispielsweise in die Infrastruktur-, Stadt- und Quartiersplanung einbezogen werden.
Die Frage, ob es gelingt, Ältere in ihrer lokalen Umgebung zu aktivieren und mehr an Entscheidungen zu beteiligen, wird künftig auch ein bedeutender Standortfaktor für Kommunen sein.

2.3. Seniorenbüros fördern Engagement älterer Menschen vor Ort

Seniorenbüros sind ein gutes Beispiel dafür, wie freiwilliges Engagement vor Ort aktiviert und unterstützt wird. Sie sind in den 1990er Jahren aus einem Modellprogramm des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hervorgegangen. Damals wurden 44 Pilotkommunen ausgewählt, die mit staatlicher Förderung Seniorenbüros einrichteten, um neue Wege in der offenen Altenhilfe zu beschreiten. Die Zahl der erfolgreich arbeitenden Seniorenbüros hat sich heute auf 250 erweitert
- Tendenz weiter steigend.
Seniorenbüros haben es sich zur Aufgabe gemacht, ältere Menschen dort abzuholen, wo sie mit ihren Erfahrungen und Fähigkeiten stehen und daraus Möglichkeiten zum Engagement zu entwickeln. Durch leicht zugängliche Angebote werden bisher nicht aktive Seniorinnen und Senioren an eine aktive, sinnvolle Lebensgestaltung und ein freiwilliges Engagement herangeführt.
Seniorenbüros sind dabei mehr als nur Vermittler von Möglichkeiten zum Engagement. Sie geben freiwilligen Älteren vielfach die Gelegenheit zur Mitarbeit und bieten damit selbst eine Form des Engagements. Einige Seniorenbüros werden sogar vollständig ehrenamtlich geführt.
Seniorenbüros arbeiten oft mit Kommunen und anderen Trägern zusammen und bieten den Engagierten zugleich eine „soziale Heimat". Insofern sind sie sowohl dem Bereich des freiwilligen Engagements als auch der „offenen Altenarbeit" der Kommunen zuzuordnen, der sie neue Impulse geben.
Die Angebote der Seniorenbüros richten sich in erster Linie an ältere Menschen. Das dort aufgebaute Engagement kommt jedoch in vielfältigen Projekten dem Gemeinwesen insgesamt und der Verständigung zwischen den Generationen zugute und steht so für ein neues soziales Miteinander.
Beispielhaft ist hier das Projekt „JoSch - Jugend ohne Schulden" des Seniorenbüros Winkelsmühle im Landkreis Offenbach. Ein Freiwilligenteam von Älteren vermittelt anhand selbst entwickelter Unterrichtseinheiten an Schulen Erfahrungen und Kenntnisse im richtigen Umgang mit Geld, um der zunehmenden Verschuldung junger Menschen entgegenzuwirken www.diakonie-of.de (Stichwort Angebote, Seniorenbüro).
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